Exkurs Ruanda verstehen - Geschichte
Doch von Anfang an: Im April 1994 begann ein schrecklicher, 100-tägiger Völkermord. Die Interahamwe (in der Landessprache Kinyarwanda so viel wie ‚diejenigen, die zusammen kämpfen‘), eine paramilitärische Miliz, löschte zwischen 800.000 und 1 Million Leben aus (offizielle Zahlen sind schwer herauszufinden). Tutsi und oppositionelle Hutu waren die Opfer. Das Gemetzel machte auch vor Gotteshäusern (im christlichen Ruanda) nicht Halt.
Die westlichen Kolonialmächte unterteilten die Tutsi und die Hutu (die mit Abstand größten sozialen Gruppen in Ruanda) zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewissermaßen in höher- und minderwertige Menschen. Sie schrieben in die Ausweise, wer Hutu und wer Tutsi war. Eigentlich galt die Unterteilung in Ruanda Ackerbauern und Viehzüchtern. Ein Ackerbauer konnte zum Viehzüchter werden und umgekehrt. Die Idee der Rassentrennung stammte aus Europa. Wie in Namibia wurde an der einheimischen Bevölkerung Maß genommen (es wurden z.B. Nasengröße und -breite mit dem Lineal vermessen) und von Rassenunterschieden behauptet, die es gar nicht gibt. So kam es u.a. zur Gegenüberstellung der Tutsi und der Hutu. Über lange Zeit wurden die Tutsi bevorteilt, sie stellten die Könige des Landes bis 1961.
Bereits in den 1950ern begann eine Unabhängigkeitsbewegung durch die Hutu, die ihrerseits an die Macht kommen wollten. Es kam zu einer sozialen Revolution mit Plünderungen, Brandstiftung und Mord, woraufhin viele Tutsi flohen. 1962 führte Kayibanda Ruanda in die Unabhängigkeit und wurde Präsident. Es kam in den folgenden Jahren wiederholt zur Gewalt an den Tutsi.
Spätestens durch den Militärputsch von 1973, als Habyarimana seinen Vetter Kayibanda (ebenfalls Hutu) stürzte, wurden die Hutu begünstigt. Auslöser des bis ins Detail, über Jahre vorbereiteten Völkermords war der Tag, an dem Habyarimana im Rahmen eines Flugzeugabsturzes ermordet wurde. Wer den Flugzeugbeschuss begangen hat, ist bis heute nicht erwiesen.
Während des Genozids kämpften Hutu voller Hass gegen Tutsi und oppositionelle Hutu. Gleichermaßen kämpften Tutsi, allen voran die Ruandische Patriotische Front (RPF), die vom heutigen ruandischen Präsidenten Paul Kagame angeführt wurde und von den USA unterstützt wurde, zunächst aus dem ugandischen Exil in einem Guerillakrieg ab 1990 für Gerechtigkeit. Im Februar 1993 kam es zu einer Großoffensive – die Stadt Ruhengeri wurde eingenommen – woraufhin Frankreich Truppen nach Kigali, also in Ruandas Hauptstadt, entsandte (Frankreich unterstützte bereits zuvor die ruandische Hutu-Regierung). Die RPF verkündete einen einseitigen Waffenstillstand. Nach dem Genozid ging die RPF dann siegreich aus dem Bürgerkrieg hervor (1990 – 1994).
Der Genozid führte dazu, dass der weibliche Anteil an der Bevölkerung nunmehr bei 70 % lag. Die Frauen emanzipierten sich in Ruanda. Sie mussten von nun an ihre Familien selbst versorgen und bauten das Land wieder auf. Die ruandische Erfolgsgeschichte über die Entwicklung der Gleichberechtigung von Mann und Frau sucht weltweit seinesgleichen. Es gibt zahlreiche erfolgreiche Unternehmerinnen in Ruanda.
Auch Fleiß gehört zum Erfolgsrezept des kleinen Landes. Viele Ruander gehen nicht nur einer Tätigkeit oder Arbeit nach. Viele Ruander und Ruanderinnen zeigen sich selbstbewusst, gepflegt und sorgsam.
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